Krise & Sanierung der GmbH

1. Die Unternehmenskrise bei der GmbH
 
1.1. Begriff und Formen der Krise
 
Die Krise eines Unternehmens zeichnet sich dadurch aus, dass das Unternehmen in seiner Lebensfähigkeit und in seinem Fortbestand gefährdet ist. Im schlimmsten Fall ist der Fortbestand sogar unmöglich. Dabei liegt eine Unternehmenskrise nicht erst dann vor, wenn das Unternehmen bereits insolvenzreif, also zahlungsunfähig oder überschuldet ist. Sehr wohl sind diese beiden Merkmale kennzeichnend für das finale Stadium einer Unternehmenskrise. Es gibt jedoch Krisensymptome, die bereits weit vor dem Eintritt von Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung auftreten. In der Regel ist die Krise eines Unternehmens keine kurzfristige Schwächeerscheinung, sondern ein lang andauernder Prozess. Nicht selten durchläuft eine Unternehmenskrise folgende Phasen:

Strategische Krise
Die strategische Krise stellt in vielen Fällen den Beginn der Unternehmenskrise dar. Sie liegt vor, wenn die langfristig wirkenden Erfolgsfaktoren eines Unternehmens gestört sind. Ursache dafür ist oftmals das Versäumnis, mit innovativen Nachfolgeprodukten Umsatzrückgänge, die durch eine veraltete Produktpalette zurückzuführen sind, aufzufangen bzw. auszugleichen. Auch die falsche Standortwahl kann eine strategische Unternehmenskrise auslösen, da ein falscher Standort oftmals einen Wettbewerbsnachteil darstellt, der sich am Markt nicht oder nur schwer kompensieren lässt. Es fehlt dem Unternehmen in diesem Zustand einfach eine erfolgreiche und durchdachte Strategie, mit der es sich im Wettbewerb gegenüber der Konkurrenz auf Dauer behaupten kann.

Erfolgskrise
Die Erfolgskrise folgt der Strategiekrise. In der Erfolgskrise erleidet das Unternehmen bereits Verluste, und zwar in einer Größenordnung, die zum vollständigen Aufzehren des Eigenkapitals führt. Ursache sind oftmals Umsatzrückgänge, Kostensteigerungen, welche nicht auf die Preise abgewälzt werden können oder sogar ein allgemeiner Preisverfall.

Liquiditätskrise
Soweit im Unternehmen erst einmal das Eigenkapital aufgezehrt wurde, kommt ist es in dem Unternehmen sehr schnell zu einer angespannten Liquiditätssituation. Da das Vermögen des Unternehmens nicht mehr die Verbindlichkeiten deckt, ist es oftmals nur noch eine kurze Zeitspanne, in der sich Zahlungsschwierigkeiten einstellen und dem Unternehmen letztendlich sogar Zahlungsunfähig ist.

Existenzkrise
Der Liquiditätskrise folgt dann sehr schnell auch eine Existenzkrise. Das Unternehmen ist überschuldet. Es ist darüber hinaus auch bereits Zahlungsunfähigkeit eingetreten.

2. Folgen der Krise

In Phasen einer strategischen Krise, einer Erfolgskrise und einer Liquiditätskrise ist das unternehmen zwar bereits in seiner Existenz bedroht. Gleichwohl kann hier das Unternehmen noch durch rasches und richtiges Handeln erhalten, also in seiner Existenz gesichert werden. Liegen jedoch die Insolvenzgründe Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit vor, ist damit die Fortführung des Unternehmens in seiner bisherigen Form nicht mehr möglich.

3. Symptome der Krise

Die Unternehmenskrise wird nach außen hin deutlich an den nachfolgend aufgeführten Symptomen. Soweit mehrere davon vorliegen, ist das regelmäßig ein sicheres Anzeichen dafür, dass ein Unternehmen sich in der Krise befindet:

  • die Umsätze - insbesondere Zahlungseingänge - auf den Girokonten des Unternehmens vermindern sich;
  • es kommt wiederholt zu Kontoüberziehungen, d.h. das Unternehmen benötigt von der Bank nicht genehmigten Kontokorrentkredit;
  • es tritt immer öfter unerwarteter Kreditbedarf auf;
  • es müssen Zahlungen an Gerichtsvollzieher geleistet werden;
  • es ist zu Kontopfändungen gekommen;
  • die Buchhaltung ist nicht auf Stand;
  • der Wirtschaftsprüfer hat das Testat eingeschränkt oder er erteilt es erst gar nicht;
  • die Investitionen haben sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich reduziert;
  • es bestehen hohe Forderungen gegen verbundene Unternehmen;
  • der Bestand an Vorräten steigt, die Außenstände erhöhen sich jedoch nicht;
  • die Abschreibungsmethoden wurden geändert;
  • es werden stille Reserven aufgedeckt;
  • die Position der Sicherungsgläubiger (Globalzession, Sicherungsübereignung des Warenlagers oder Raumsicherungsvertrag) hat sich verschlechtert);
  • häufiger Wechsel im Management bis hin zum Austausch der Geschäftsführung;
  • hohe Personalkosten bei unqualifiziertem Personal;
  • die Lieferungs- und Zahlungsbedingungen haben sich in jüngster Vergangenheit verschärft;
  • der Lieferantenkreis wurde erweitert;
    besteht eine Abhängigkeit von wenigen Abnehmern;
  • es kommt zu Zahlungsverzögerungen;
  • es gab Insolvenzen im Abnehmer-/Kundenkreis.